Im letzten Blogeintrag aus Jordanien möchte ich meine Eindrücke der ersten Ramadan-Woche kurz beschreiben. Vergangenen Samstag begann die einmonatige Fastenzeit, in welcher zwischen Sonnenauf- und Untergang in der Öffentlichkeit weder gegessen, getrunken und geraucht werden darf. Ausnahmen gelten für Kinder, Kranke und schwangere Frauen. Im Alltag bedeutet es, dass tagsüber keine Bistros oder Restaurants offen haben und die meisten Jordanier verkürzte Arbeitszeiten haben. In meinem Büro sind diese von 10 bis 15 Uhr und während dieser Zeit versuchte ich dann zumindest auch aufs Essen zu verzichten. Da unser Büro im Umweltministerium untergebracht ist, war besondere Vorsicht angesagt, wenn man sich mal schnell einen Schluck Wasser gönnen wollte. Laut Gesetz darf die Polizei Personen festnehmen, welche sich im öffentlichen Raum diesen Regeln widersetzen – ob und wie das wirklich angewendet wird kann ich nicht einschätzen. Bei einem grandiosen „Iftar“-Abendessen im Kollegenkreis (Iftar = die Mahlzeit zum Fastenbrechen bei Sonnenuntergang), bekam ich eine Vorstellung wie wichtig diese Tradition für die Muslime ist. Gerade in den ersten Tagen des Ramadans wird diese Mahlzeit mit Freunden und Familie gefeiert und zelebriert.
Für mich ist der Verzicht aufs Wassertrinken unvorstellbar und leichte Zweifel an der Gesundheit kommen mir dabei schon. Wenn ich den Nachmittagsverkehr in Amman beobachtete, kam in mir auch die Überlegung auf wie viele ernsthaft dehydrierte Personen jetzt am Steuer sitzen. Mein Jordanischer Kollege beklagte, dass die Feierlichkeiten nach Sonnenuntergang immer mehr über Hand nehmen und dabei die eigentliche Idee des Fastenmonats verdrängt wird – was mich wiederum an unsere „stille“ Vorweihnachtszeit erinnerte. Ein Kuriosum erlebte ich dann noch, als mir in einem anderen Büro, welches ich für mein letztes Interview besuchte, von einem Jordanier Nüsse und Saft angeboten wurden. Er kommentierte das nur trocken mit: „es soll ja keine Bestrafung für dich sein, dass ich faste“! Wie man sieht, wird auch diese religiöse Tradition sehr vielfältig ausgelegt und von Modeerscheinungen überlagert, was das ganze eigentlich in einem sehr normalen Licht erscheinen lässt.

Von meinen lieben Kollegen habe ich mich bereits mit einer kleinen Fotopräsentation verabschiedet und bin wirklich dankbar für die tolle Zeit und die gute Zusammenarbeit – unglaublich wie schnell 3 Monate vergehen können. In den nächsten Tagen werde ich noch einen kurzen touristischen Abstecher nach Israel machen, bevor die Heimat wieder nach mir ruft. Ich hoffe meine „Jordanien-Berichterstattung“ war interessant und hat euch gefallen.
Die Bilder sind von meinem letzten Ausflug nach Umm Quais im Norden Jordaniens, relativ nahe der Golanhöhen.
>> English
With my last blog post from Jordan I want to describe my impressions of the first Ramadan week I experienced. Last Saturday the month of fasting began in which you are not allowed to drink, eat and smoke in public, between sunrise and sunset. There are exemptions for children, ill people and pregnant women. The consequences for daily life are closed bistros and restaurants during day and shortened working hours for most Jordanians. In our office this was from 10am to 3pm, when I at least also tried not to eat. Because our office is inside the Ministry of Environment we had to be extra careful while sneaking a sip of water. Officially the police could arrest people which break these rules in public but I cannot tell how this is applied in practice. With the colleagues we had a huge Iftar dinner (traditional meal to break fasting at sunset), where I saw the importance of this tradition for Muslim people. Especially during the first days of Ramadan Iftar is celebrated with friends and family in outstanding events.

For me the restriction of not drinking water all day is unimaginable and I got small doubts about the health aspect. When watching the afternoon traffic of Amman I was thinking about how many serious dehydrated people were driving there. My Jordan colleague complained about the big festival-like happenings during night hours, which became more popular and frequent in last years and are undermining the original idea of Ramadan. This, in return, reminded me of our „silent“ pre-christmas time at home. One curiosity I experienced in another office, where I went for my last interview. A Jordan colleague offered me nuts and juice, simply commenting it with: „It shouldn’t be a punishment for you, if I am fasting“. As you can see also this religious tradition is interpreted in many different ways and overlapping with modern cultural elements – what makes it somehow very normal.

I already said goodbye to my kind colleagues with a small photo presentation and I am full of gratitude for the amazing time and good teamwork. It’s unbelievable how fast 3 month have passed. During the next days I will take a small trip around Israel before heading home again. I hope my „Jordan-Coverage“ was interesting and you liked it.
Pictures are from my last short trip to Umm Quais in northern Jordan – quiet close to the Golan Heights.





Salām
